Was ist Misophonie?

Der Begriff „Misophonie“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „Miso“ (Hass) und „Phonia“ (Geräusche) zusammen und bedeutet wörtlich „Hass auf Geräusche“. Diese Störung, charakterisiert durch extreme emotionale Reaktionen auf normale Geräusche, wurde 2001 von den Neurowissenschaftlern Dr. Pawel und Dr. Margaret Jastreboff benannt. Im Jahre 1997 identifizierte die Audiologin Marsha Johnson diese Störung zum ersten Mal und nannte sie „Selektive Geräuschintoleranz – Selective Sound Sensitivity Syndrome“, oder als Kurzform „4S“. Diese Bezeichnung ist zwar viel treffender, da die Intoleranz nur bestimmte, d.h. selektive Geräusche umfasst, aber mittlerweile ist der Begriff „Misophonie“ bekannter und schließt auch visuelle Trigger mit ein.

Ein Misophoniker reagiert sofort auf den Triggerstimulus, der entweder hörbar oder sichtbar ist. Diese Reaktion ist ein Reflex, also unmittelbar und unfreiwillig. Die Trigger sind häufig leise, normale Geräusche, die Nicht-Misophoniker oft gar nicht wahrnehmen. Wenn jedoch ein Misophoniker zusammen mit jemandem im Zimmer ist, der auf seinem Kaugummi herumkaut, wird er das hören und sofort darauf reagieren.
Misophonie ist immer mit starken Gefühlen verbunden, üblicherweise Hass, Wut, Ekel, Verbitterung. Unter Umständen fühlt sich die betroffene Person sogar angegriffen. Misophoniker wollen dem Geräusch um jeden Preis entkommen. Oft greifen sie ihre Triggerperson in Gedanken körperlich oder verbal an. Die wenigsten setzen diese Gedanken jedoch in die Tat um.

Aus: Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier


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