Über Trigger

Misophonie-Trigger entstehen meist in ganz normalen Alltagssituationen im familiären Umfeld. In einer Umfrage aus dem Jahr 2013 sagten zwei Drittel der befragten Misophoniker, dass Kau- oder Essgeräusche ihre schlimmsten Trigger seien. 10% nannten Atemgeräusche als ihren Haupttrigger. Bei den übrigen 25% sind es die unterschiedlichsten Auslöser, wie z.B. Bassgeräusche durch die Wand, ein bellender Hund, Husten, das Klicken eines Kugelschreibers, Pfeifen, das Reden der Eltern, das Zischen in Wörtern wie „Ross“ oder „Chips“ und Tastaturgeräusche. Diese Liste ist keineswegs vollständig, denn jegliche sich wiederholenden Geräusche oder visuellen Eindrücke, und in seltenen Fällen sogar etwas, was man fühlt, riecht oder spürt, können zu Triggern werden.
Ob ein Geräusch zum Trigger wird, liegt nicht an dem Geräusch an sich, sondern an den Umständen unter denen es wahrgenommen wird.
Zu Anfang wirkt nur ein einziges Geräusch, das vielleicht sogar nur von einer einzigen Person stammt, als Trigger. Nach und nach weitert er sich auf ähnliche Laute, andere Umgebungen, schließlich alle Personen, die das bestimmte Geräusch machen und visuelle Eindrücke, die der Misophoniker mit dem Geräusch verbindet, aus. In einem späteren Kapitel werden wir näher untersuchen, wie sich neue Trigger entwickeln.
Misophonie kann auch mit einem visuellen Trigger beginnen, bis jetzt habe ich das allerdings nur bei einem einzigen Patienten beobachtet. Gewöhnlich beginnt alles mit einem Triggergeräusch, nach und nach können dann auch visuelle Eindrücke, die mit dem Trigger zusammenhängen, misophonische Reaktionen auslösen.
Wenn beispielsweise Kaugeräusche ein Trigger sind, dann kann schon die Beobachtung triggern, wenn jemand Essen zum Mund führt oder nach den Kartoffelchips greift.
Bilder, die eng mit einem Trigger verbunden sind, können auch allein (also ohne das dazugehörende Geräusch) eine misophonische Reaktion auslösen. Nehmen wir einen Misophoniker, dessen Trigger schmatzendes Kaugummikauen ist. Wenn er Kieferbewegungen sieht, verknüpft er dieses Bild unbewusst mit Kauen, was er wiederum mit Kaugummikauen verbindet, und schon wird die Kieferbewegung zu einem visuellen Trigger.

Übliche misophonische Trigger

Geräusche/Audio-Trigger:

  • Essgeräusche: Kauen, Zähneknirschen, schmatzen, Schlucken, mit vollen Mund reden
  • Geräusche, die am Esstisch gemacht werden: das Kratzen der Gabel auf dem Teller oder an den Zähnen, das Klimpern eines Löffels gegen einen Schüsselrand, Klirren von Gläsern
  • Trinkgeräusche: Schlürfen, nach einem Schluck „ah“ sagen, Schlucken, nach einem Schluck durchatmen
  • andere Mundgeräusche: an den Zähnen saugen, Küssen, Zahnseide benutzen, Zähne putzen
  • verwandte Geräusche: eine Kartoffelchipstüte aufmachen, eine Plastikflasche quetschen, eine Tasse absetzen
    Atemgeräusche: Schniefen, Schnauben, durch die Nase atmen, regelmäßiges Atmen, Schnarchen, pfeifender Atmen,
  • Gähnen, Husten, Räuspern, Schluckauf
  • Verbale Trigger: Konsonanten (besonders S und P), Vokale (weniger üblich), das „Plopp“-Geräusch mit den Lippen, heisere oder raue Stimmen, Flüstern, bestimmte Worte, Unterhaltungen, Fernseher durch die Wand hören, Singen, Summen, Pfeifen, Murmeln, das Wort „eh“
  • übliche Geräusche rund ums Haus: Bass durch die Wände, Zuwerfen von Türen, das Brummgeräusch des Kühlschranks, Haartrockner, elektrischer Rasierer, Nagelklipsen, Scharren von Füßen, Flip-Flops, schwere Fußtritte, Laufen auf oberem Stockwerk, Gelenkknacken, Kratzen, das Ticken einer Uhr, das Klopfen von Rohren, weinendes Baby, Toilettenspülung
  • übliche Geräusche am Arbeitsplatz, bzw. in der Schule: Tippen, Mausklicken, Umblättern, mit einem Bleistift auf Papier schreiben, Kopierer, das Klicken eines Kugelschreibers, das Klopfen eines Stiftes oder Fingers auf dem Tisch
  • andere Geräusche: landwirtschaftliche Geräte, Pumpen, Rasenmäher, aufprallende Bälle, Piepton beim Einlegen des Rückwärtsgangs, Verkehrsgeräusche, Piepton beim Autoschließen, das Zuschlagen einer Autotür
  • Tiergeräusche: Fellpflege bei Hund oder Katze, Hundegebell, Krähen eines Hahnes, Vogelgezwitscher, Grillengezirpe, Frösche, Kratzen, Gewinsel

Visuelle Trigger

  • Kieferbewegung (Kauen), das Gesicht berühren, auf einem Smartphone scrollen, mit dem Finger zeigen, mit dem Fuß wippen, mit einer Haarsträhne spielen, Essen zum Mund führen, mit den Fingern klopfen, Zwinkern

Geruchstrigger

  • bestimmte Gerüche (selten)

Taktile Trigger

  • eine Tastatur anfassen, bestimmte Textilien (selten)

Weitere Trigger

  • Vibrationen von Bass, das Stoßen gegen Schreibtisch oder Stuhl, schwere Schritte

Aus: Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier


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