Misophonie-Trigger

Jeder Misophoniker hat seine persönlichen Trigger, die eine zentrale Rolle in seinem Leben spielen. Ein Trigger ist etwas, was er hört oder sieht, beispielsweise wenn jemand kaut, beim Reden leicht mit den Lippen schmatzt, oder pfeift. Geräusche wie diese reizen einen Misophoniker, und die anfängliche Irritation verwandelt sich schnell in extreme Wut, Hass oder Ekel. Diese Reaktionen sind unfreiwillig und es ist dem Misophoniker nicht möglich, Ruhe zu bewahren.
Die sofortige negative Reaktion auf einen Trigger ist das Kennzeichen der Misophonie. Zu diesen Emotionen kommen physiologische Reaktionen hinzu: Muskelanspannung, beschleunigter Herzschlag, Schwitzen oder extreme Stressgefühle. Selbst wenn der Trigger aufhört, bleibt der emotionale Aufruhr, und oft spielt sich das Triggergeräusch auch noch danach wiederholt im Kopf ab. Während ein Trigger den Misophoniker in einem einzigen Augenblick von 0 auf 100 bringen kann, dauert es unter Umständen Stunden, bis er sich wieder beruhigt.
Die Auswirkungen von Misophonie reichen von „fast nicht bemerkbar“ bis zu „extrem einschränkend“. Ich habe einmal einen Mann kennengelernt, der nur einen einzigen Trigger hatte, nämlich das Klimpern des Löffels beim Umrühren von Eistee. Er kann dieses Geräusch nicht verkraften, aber da niemand in seiner Familie Eistee trinkt, hört er den Trigger fast nie, und daher wirkt sich seine Misophonie auch kaum auf sein Leben aus. Eine junge Frau, die ich kenne, hat ebenfalls nur einen Trigger, doch dieser ruiniert ihr Leben. Ihr Trigger: das Geräusch von zwei oder mehreren Frauen, die sich unterhalten. Da sie eine fast ausschließlich weibliche Fachrichtung studiert, ist sie dauernd ihrem Trigger ausgesetzt – ihr Studium ist die Hölle.

Aus: Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier


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