Misophonie – Trigger

Es gibt eine große Bandbreite von Triggern. Obwohl Kau- und Atemgeräusche besonders häufig vorkommen, kann auch jedes andere sich wiederholende Geräusch zum Trigger werden. Niemand hat sämtliche Trigger. Jeder Misophoniker hat seine eigene Kombination.
Der erste Trigger eines Misophonikers stammt immer von einer ganz bestimmten Person oder aus einem bestimmten Bereich seines Lebens. Es können Vogelgezwitscher, Grillenzirpen, klopfende Rohre, bestimmte Worte, die Geräusche von technischen Geräten u.ä. sein. Häufig sind es Essgeräusche, z.B. wenn jemand Popcorn isst oder (sehr häufig) das Platzen von Kaugummiblasen.
Für manche Misophoniker ist ein Geräusch nur dann ein Trigger, wenn eine bestimmte Person sie macht. Einer meiner Patienten war ein 15-jähriger Junge, der misophonische Reaktionen hatte, wenn seine Mutter etwas Knuspriges aß. Ich stellte ihn mit dem Gesicht zur Wand und steckte mir Kartoffelchips in den Mund. Keine Reaktion. Seine Mutter tat das Gleiche und er reagierte sofort mit: „Igitt! Das ist es!“ Dahingegen gibt es andere, die immer auf dieselbe Art von Geräusch reagieren, egal von wem es stammt.
Ich hatte eine Frau in Behandlung, deren Trigger ihr Ehemann war, wenn er „äh“ sagte. Dieser einsilbige Laut löste in niemandem sonst eine Reaktion aus, und es störte sie auch nicht, wenn andere ihn machten. Es war ihr ganz persönlicher Trigger. Eine andere Frau konnte es nicht aushalten, wenn ihr Mann knuspriges Brot aß. Für einige Kinder ist die Stimme eines Elternteils ihr Trigger, aber nicht Stimmen im Allgemeinen.
Ich kenne einen Mann in den 40ern, vor dessen Fenster Vögel ihr Nest bauten. Es handelte sich um Spottdrosseln, die 24 Stunden am Tag zwitschern, und das taten sie nun direkt vor seinem Schlafzimmerfenster. Dieser Vogelgesang entwickelte sich zu seinem Trigger.
Die meisten Misophoniker haben Trigger, die von Menschen erzeugt werden. Einige reagieren aber auch auf Geräusche von Dingen, wie z.B. klopfende Rohre, tickende Uhren, Haartrockner, elektrische Rasierapparate. Trigger basieren auf den eigenen, einzigartigen Erfahrung mit Geräuschen.
Der Grund für die vielen übereinstimmenden („typischen“) Trigger ist, dass wir viele Erfahrungen und Aktivitäten gemeinsam haben. Wir essen oft gemeinsam mit anderen Menschen, hören andere atmen, und wenn wir mit einem Allergiker zusammen wohnen, gehören die mit einer gereizten Nasenschleimhaut verbundenen Geräusche zum Alltag. Diese Erfahrungen führen zu häufig vorkommenden Triggern, schließen aber nicht die Entwicklung seltenerer individueller Trigger aus.

Aus: Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier


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