Die Ausbreitung von Misophonie-Triggern

Stellen Sie sich vor, Ihr Trigger wären Kaugeräusche. Nun sitzen Sie also am Esstisch, hören jemanden kauen und bemerken gleichzeitig das Kratzen der Gabeln auf den Tellern. Dieses Kratzen kann Ihr nächster Trigger werden. Oder Sie reagieren zunächst nur auf das Kauen, hören aber gleichzeitig, wie jemand schnieft. Nun lösen plötzlich beide Geräusche eine misophonische Reaktion bei Ihnen aus. Ein anderes Szenario wäre, dass nur das Kaugeräusch einer bestimmten Person Ihr Trigger ist, doch dann bemerken Sie die Essgeräusche der anderen Personen am Tisch. Sie könnten zunächst auf alle Geräusche dieser Personen reagieren, und schließlich von jeder beliebigen kauenden Person getriggert werden.
Wenn ein Geräusch gleichzeitig mit Ihrem Triggergeräusch auftritt, oder auch nur in dem Moment, in dem Sie noch durch Ihren Trigger verärgert sind, kann dieses neutrale Geräusch zu einem neuen Trigger werden. Das Gleiche trifft auf visuelle Trigger zu. Obwohl Misophonie meist mit einem akustischen Auslöser beginnt, kann ein sich wiederholender visueller Eindruck, der gleichzeitig mit dem akustischen Trigger auftaucht, schnell zu einem visuellen Auslöser werden. Wenn Sie zum Beispiel auf das Geräusch einer platzenden Kaugummiblase reagieren, sehen Sie gleichzeitig die Kaubewegungen Ihrer Triggerperson. Diese Bewegung wird Ihr neuer unabhängiger Trigger. Selbst wenn Sie aufgrund von Ohrstöpseln gar nichts hören oder durch ein Fenster jemanden beim Kaugummikauen nur sehen, aber nicht hören können, kann die Kieferbewegung bereits eine Reaktion in Ihnen triggern.

Aus: Misophonie verstehen und überwinden von Thomas Dozier


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