Neue Behandlungstechnik für Misophonie?

Die Trauma-Buster-Technique (TBT), entwickelt von Rehana Webster, verbindet Elemente aus dem NLP mit der Klopfakupressur und wird bislang sehr erfolgreich bei posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt. Nun gibt es Hoffnung, dass diese Technik auch Misophonikern helfen kann: Eine erste Misophonie-Behandlung mit TBT war unerwartet erfolgreich. Der Haupttrigger (bestimmte Auffälligkeiten in der Aussprache des Lebenspartners) war nach einer einzigen Sitzung neutralisiert, Unterhaltungen waren wieder möglich. Zwei Tage nach der Behandlung konnte der Klient die Technik sogar erfolgreich selbst bei einem anderen Trigger anwenden.

Ob es sich hier um einen Einzelfall oder den Grundstein für eine wirksame Methode gegen Misophonie handelt, wird sich noch zeigen müssen. TBT kommt ohne Konfrontations- oder Hypnosetechniken aus und es gibt keine Kontraindikationen – gute Voraussetzungen dafür, dass sie vielleicht sogar als Selbsthilfetechnik eingesetzt werden könnte.

Bei Fragen zur Misophoniebehandlung mit TBT kontaktieren Sie mich am besten direkt.

Konfrontationstherapie bei Misophonie: Wann sie hilft und wann sie schadet

Fakt ist, dass Konfrontationstherapie bei Misophonie leider nicht so einfach funktioniert. Wenn unter Misophonie leidende Menschen akustischen Auslösern schonungslos ausgesetzt werden, weil man hofft, dass sie sich dadurch irgendwann daran gewöhnen werden, wird das schief gehen. Es ist wohl einer der schlechtesten Ansätze, wenn der Therapeut sagt: „Sie setzen sich jetzt hier hin, während ich eine Tüte Chips esse, und wenn wir das nur oft genug wiederholen, wird das Ihrer Misophonie bestimmt helfen.“ Es gibt nur sehr wenige Berichte von Erfolgen durch diese Methode – und sie kann auch nur funktionieren, wenn die Betroffenen diese Art der Therapie selbst wünschen und sich entsprechend einbringen. Bei Kindern ist diese Methode unbedingt zu vermeiden. Bei Konfrontationstherapien werden die Betroffenen dem Trigger für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt – zunächst nur kurz, später dann immer länger. Das Problem dabei ist, dass dadurch der ursprüngliche physikalische Reflex und die darauffolgende emotionale Reaktion verstärkt werden können. Während so eines Therapieprozesses können sich auch neue Trigger entwickeln. Es gibt unzählige Berichte von Personen in Misophonie-Hilfegruppen, die berichten, dass ihre Misophonie sich durch Konfrontation deutlich verschlimmert hat.
Sollte Ihnen also jemand vorschlagen, dass Sie sich ganz einfach Ihren Triggern aussetzen sollen, bis Sie sich daran gewöhnt haben (besonders Therapeuten, die sich nicht auf Misophonie spezialisiert haben), dann würde ich Ihnen dringend einen Therapie- oder sogar Therapeutenwechsel empfehlen.

Es ist aber nicht so, dass jegliche Form der Konfrontation mit Triggern vermieden werden muss. Es gibt korrekte und fatale Formen der Konfrontation. Die gestaffelte und ansteigende Konfrontation mit dem Trigger hat in mehreren Studien und Versuchen, die in Fachzeitschriften publiziert wurden effektive Erfolge und Besserung gezeigt. Es ist wichtig, dass man dabei ruhig und gelassen bleibt und während der andauernden Therapie sogar immer stressfreier wird. Konfrontation unter Entspannung heißt das in der Verhaltenstherapie. Trotzdem sollte man sich heftigen akustischen Reizen, mit der Absicht seine Misophonie zu reduzieren, nicht selbst aussetzen. Wahrscheinlich wird man Sie während der Therapie bitten, dass Sie sich akustische Reize anhören, jedoch wird man Ihnen vorher auch Methoden zur Selbstberuhigung beibringen. Es ist vollkommen in Ordnung, dies mit ein paar kleine Auslösern zu üben und dadurch die Fähigkeit, sich gezielt zu entspannen, zu stärken. Dadurch wird die emotionale Reaktion auf den Trigger stetig vermindert.
Zu empfehlen ist die „Neural Repatterning“-Technik, auch „Trigger Tamer“- Technik  genannt. Diese Therapiemethode verändert und reduziert die Trigger so, dass sie nur noch einen kleinen Misophonie-auslösenden Reiz abgeben. Die Konfrontation findet also in einem sehr kontrollierten Maße statt und der minimale Reiz erlaubt es dem Gehirn, sich umzustrukturieren. Mit Muskelentspannungsübungen wird dem Betroffenen geholfen, alle Muskeln im Körper während der Triggersituation zu entspannen und somit die Reaktion auf den Auslöser zu minimieren. Es ist falsch, dass ausnahmslos alle Behandlungsmethoden, die akustische Reize und Auslöser involvieren, schädlich sind. Aber wie gesagt: Es ist wichtig, dass der Therapeut die Besonderheiten der Misophonie in Bezug auf Konfrontation kennt.

Studie über die Wirksamkeit verhaltenstherapeutischer Maßnahmen bei Misophonie

Eine neue Studie zum Thema Misophonie zeigt, dass bestimmte Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie bei Misophonie durchaus wirksam sind. Während man in der Universitätsklinik Amsterdam längst weiß, dass Expositionsübungen nicht dazugehören, werden hierzulande Misophonie-Patienten leider immer noch unnötigerweise mit Trigger-Konfrontationen gequält. Thomas Dozier, Autor von „Misophonie verstehen und überwinden“, hat das Wesentliche der Studie kurz zusammengefasst und ich habe diese Zusammenfassung nun übersetzen lassen:

Die Fachzeitschrift zur Therapie Affektiver Störungen (Journal of Affective Disorders) veröffentlichte im April 2017 den Forschungsbericht einer Misophonie-Behandlungsstudie, die in der psychiatrischen Abteilung der Universitätsklink in Amsterdam durchgeführt wurde. Der Hauptautor Arjan Schröder ist schon als erster Autor der Forschungsstudie „Misophonie: Diagnostische Kriterien einer neuen psychiatrischen Störung“ aus dem Jahr 2013 bekannt geworden.

90 Teilnehmer (65 Frauen und 25 Männer) nahmen an der Behandlungsstudie teil. Patienten mit Suchterkrankungen, bipolaren Störungen, Autismusspektrumsstörungen oder psychotischen Störungen wurden nicht in der Studie mit eingeschlossen. Die Patienten gehörten verschiedenen Altersgruppen an und litten in unterschiedlichen Schweregraden an Misophonie. Der durchschnittliche Schweregrad war „mäßig“ (A-MISO-S-Wert = 13,6).

Die Behandlung umfasste

  1. Gruppensitzungen, wöchentlich oder zweiwöchentlich (8 Sitzungen für Kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsübungen), mit jeweils 6 bis 9 Teilnehmern
  2. Konzentrationsübungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeitsverlagerung
  3. Gegenkonditionierung (Trigger hören und zugleich ein angenehmes Erlebnis verspüren)
  4. Triggermanipulation – Bearbeitung, Verringerung und Veränderung der Trigger auf dem eigenen Computer
  5. Entspannungsübungen

Ergebnis: 58% berichteten von einer deutlichen Verbesserung. Davon kamen fast alle (48%) auf eine mindestens 30% niedrigere A-MISO-S-Wertung. Bei 9% (8 Patienten) verschwanden die Symptome sogar komplett.

Bemerkungen einiger Patienten bezüglich der Behandlung:

  • Die Konzentrationsübungen halfen dabei, die Aufmerksamkeit vom Trigger auf andere Sinnesreize zu verlagern (z.B. eine Unterhaltung).
  • Die Gegenkonditionierung half einigen Patienten, die Trigger mit positiven Gefühlen zu verbinden.
  • Die Triggermanipulationsübung gab den Patienten das Gefühl, dass die Trigger zu einem gewissen Grad kontrolliert werden können. Sie fühlten sich weniger überwältigt, wenn sie den echten Triggern ausgesetzt waren.
  • Die Patienten fühlten sich dank der Entspannungsübungen weniger irritiert und eher dazu im Stande, ihre Trigger zu tolerieren.

Link zum Forschungsbericht

Kurse nach der Methode der Universitätsklinik Amsterdam und Thomas Dozier

Ebenso wie die Experten der Universitätsklinik Amsterdam vertritt auch Thomas Dozier die Auffassung, dass es sich bei Misophonie um eine Störung durch Konditionierung und nicht durch Traumatisierung handelt. Die Gegenkonditionierung beschreibt er in seinem Buch „Misophonie verstehen und überwinden“. Er entdeckte auch, dass jede misophonische Reaktion in Zusammenhang mit einem Muskelreflex steht. Das Einbeziehen dieses Reflexes in die Therapie erhöht die Erfolgschancen erheblich.

Bei Interesse an einem Kurs nach dem Schema der Studie und nach Thomas Dozier melden Sie sich bei mir unter Kontakt.

„Du bist so eine schöne Frau – würdest du bitte keine unschönen Geräusche machen?“

In dem Roman „Lyssa: Ein Geheimnis-Krämer Fall“ leidet Protagonist Tycho unter Misophonie („Es hatte Jahre gedauert, bis er herausfand, dass er selbst an Misophonie litt: Er hasste Kau- und Essgeräusch, Niesen und Schniefen, manchmal sogar das Atmen, ganz gleich, wer es fabrizierte.“).

Damit wird Heitz so einigen seiner Leser die Augen öffnen, denn noch immer wissen die meisten Misophoniker nicht, woran sie leiden. Auch denken die meisten, mit ihrem Problem völlig alleine dazustehen. Nichts könnte falscher sein, denn allen Studien zufolge leidet mindestens jeder 10te unter Misophonie.

Zitate aus Markus Heitz: Lyssa: Ein Geheimnis-Krämer Fall. Knaur eBook, 2016, ISBN 9783426440636 (zitiert nach Google Books). Das Hörbuch ist exklusiv bei Amazon erhältlich.

Studie zum Thema Misophonie: Teilnehmer gesucht

Hallo an alle Betroffenen!

Nico Remmert ist Psychologe und forscht derzeit an der Freien Universität Berlin zum Thema Misophonie und wäre allen unendlich dankbar, die sich die Zeit nehmen, um bei seiner Studie teilzunehmen.

Was erwartet Euch?

Ihr werdet einen Online-Fragebogen ausfüllen, der nicht mehr als 40 Minuten Eurer Zeit in Anspruch nehmen wird.

Was springt für Euch dabei raus?

Ihr bekommt die Möglichkeit etwas mehr über Euch und die Misophonie herauszufinden. Darüber hinaus könnt Ihr eine detaillierte Rückmeldung zu Eurem Ergebnis erhalten.

Ziel ist es, einen weiteren Schritt voranzugehen, die Hintergründe der Misophonie zu ergründen und v.a. die wissenschaftliche Repräsentation und Anerkennung zu erreichen. Auch Ihr könnt also dadurch ein Teil davon werden.

Wenn Ihr daran Interesse habt, gelangt Ihr ganz einfach über den untenstehenden Link zu der Studie.

https://ww3.unipark.de/uc/Misophonie/Studie/

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Falls Sie Anmerkungen oder Änderungsvorschläge haben, sagen Sie Nico Remmert bitte Bescheid.

Multitalent Ankathie Koi und Misophonie

Am 21. April erschien das erste Soloalbum von Ankathie Koi mit dem Titel „I Hate The Way You Chew“.

Koi: „Ich leide tatsächlich unter einer Art selektiver Geräuscheintoleranz. Wenn jemand laut isst, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Meine Schwester hat sehr geräuschvoll gekaut. Wegen ihr bin ich immer zu spät zur Schule gekommen, weil ich in ihrer Gegenwart nicht essen wollte. Meine Mama hat deshalb oft durchgedreht.“

Der ganze Artikel (allerdings ohne weitere Infos zum Thema Misophonie) hier: http://diepresse.com/home/leben/mensch/5181712/Eine-Prinzessin-war-ich-noch-nie-Schriller-Koi-mit-Misophonie